Der Kampf gegen Depression und Angst: Martins Weg aus der Dunkelheit

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Seit seiner Kindheit leidet Martin* unter Depressionen und Angst. »Jemand beschrieb Depression einmal so: Es fühlt sich an, als sei man permanent in eine nasse Decke eingewickelt. Als ich meditierte, war es, als habe jemand zum allerersten Mal die Decke entfernt. ›Uups‹, dachte ich bei mir, ›so also sollte sich das Leben eigentlich anfühlen!‹«
Lesen Sie hier die inspirierende Geschichte einer Entdeckung: dass Glück zu finden nichts Unmögliches ist. Es ruht in uns.

Vorgeschichte

Als ich noch Kind war, fand ich heraus, dass der Verzehr von Junk Food eine gute Methode ist, um sich abzulenken von schlechten Stimmungen. Als Teenager kamen zu dem Mix dann noch Alkohol und Cannabis hinzu. Als ich schließlich Mitte Zwanzig war, konsumierte ich nicht nur Antidepressiva, sondern auch noch weitaus mehr Schmerzmittel und Pillen gegen die Angst, als mir verschrieben worden war.

Ich nahm alles: Hauptsache, ich kam irgendwie durch den Tag.

Ist man depressiv und angstbesetzt, ist einem einfach alles zu viel. Ganz normale Dinge erscheinen jetzt, als seien sie nicht zu bewältigen. Es fühlt sich hoffnungslos an, denn man sieht andere und denkt: »Oh je, allen anderen geht’s gut!« Ausweglos.

Gelegentlich hatte ich einen Job, aber dann nahmen Angst und Depression überhand. Ich war wütend, miserabel drauf und hatte fortwährend Schmerzen: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen. Eine Kette ohne Ende. Dann kam der Moment, wo ich nicht mehr das Bett verlassen konnte oder wollte – ich war für nichts mehr zu gebrauchen.

Ich suchte Psychologen auf und Psychiater. Sie unterhielten sich mit mir, verschrieben mir Pillen, versuchten mich davon zu überzeugen, dass doch alles gar nicht so schlimm sei. Irgendwann ging’s wieder besser, und ich fand einen neuen Job. Doch der Stress baute sich wieder auf, und alles begann von vorn.

 

Depression und Angst sind grausame Krankheiten, die jeden erwischen können. Wenn erst einmal die ersten Symptome aufgetaucht sind, passiert es ganz leicht, in das schwarze Loch zu rutschen, wo sich die Symptome dann hochschaukeln, sich verstärken und immer schlimmer werden.
Michelle London, PsyD, Weiss Memorial Hospital, Chicago
Quelle: healthline.com

 

Irgendwann waren die Angstzustände derart massiv, war ich von ihnen so besessen, dass ich mehrere Jahre lang nicht mal mehr die Wohnung verlassen konnte. 25 Jahre alt – und mein Vater musste mich zum Einkauf begleiten, denn allein schaffte ich es nicht.

Die Entdeckung der TM

In der Zeit, als ich mich zuhause verkrochen hatte, begann ich, Howard Stern zu hören [die Howard Stern-Show war damals eine der erfolgreichsten Radio-Shows der USA; d. Übers.]. Einmal, da ging’s um die Depressionen und Angstzustände seiner Mutter, und wie Transzendentale Meditation (TM) ihre psychische Gesundheit umgekrempelt hatte. Mir war das, was seine Mutter da erlebt hatte, so vertraut, dass ich mich fragte, ob TM nicht eventuell auch mir helfen könnte.

 

ANGST UND DEPRESSION: Sie sind nicht das gleiche, tauchen aber oft gemeinsam auf.
Angst wird gekennzeichnet durch das Gefühl von Zweifel und Verletzbarkeit, in Bezug auf zukünftige Ereignisse. Ängstliche Menschen richten ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft, und sie leben in der Furcht, dass die Zukunft nichts Gutes für sie bereithält. Symptome sind ängstliche Gedanken, unerklärliche Körperempfindungen und vermeidende bzw. selbstschützende Verhaltensweisen.
Depression richtet sich weniger auf das, was kommt. Depressive glauben zu wissen, was auf sie zukommt, und sie sind davon überzeugt, dass es schlimm ausgehen wird: genauso schlimm, wie die Dinge schon im Augenblick laufen. Symptome umfassen Traurigkeitsgefühle, Hoffnungslosigkeit; fehlendes Interesse und Freude an Aktivitäten, die einstmals Spaß gemacht haben; unerklärbare körperliche Beschwerden und Schmerzen; Energieverlust. Grafik: pidjin.net

 

Ich schaute mir TM etwas an, zog es aber vor, mein Geld für Alkohol auszugeben. Über zwei Jahre lang hing Howards Geschichte mit seiner Mutter in meinem Kopf, ohne dass ich was unternahm.

Dann, eines Tages, raffte ich mich auf und rief das TM-Center an. Ich weiß bis heute nicht, warum die Furcht mich davor nicht abgehalten hatte. Ich machte einen Termin, und knapp einen Monat später erlernte ich TM.

Wie ich mich nach TM fühlte

Jemand beschrieb Depression mal so: Es fühlt sich an, als sei man permanent in eine nasse Decke eingewickelt. Als ich meditierte, war es, als habe jemand zum allerersten Mal diese Decke entfernt. »Uups«, dachte ich bei mir, »so also sollte sich das Leben eigentlich anfühlen!«

Ich glaubte es kaum. Eine tiefgreifende Veränderung.

Wenn man depressiv ist, dann fühlt es sich an, als gäbe es keine Antworten. Das drückt einen so herunter: »Was ist nur falsch mit mir, dass es mir einfach nicht gelingt, mich besser zu fühlen?« Wahnsinnig viele Leute mit Depression wollen einfach nur noch aufgeben, weil es einfach so auslaugt. Es fühlt sich an, als gäbe es einfach keinerlei Erholung.

Mit TM hat man Erholung zweimal am Tag.

Bei meiner ersten Meditationssitzung hatte ich kein Problem damit, mich hinzusetzen und die 20 Minuten zu machen. Im Gegenteil! Genau dieses Gefühl wollte ich immer erreichen, mit all den Pillen, dem Gras, dem Alkohol. Ich war ruhig. Ich war glücklich. Ich war in Ordnung.

Und dann breitete sich diese Ruhe langsam auch in meiner Welt aus. Es war so graduell, dass ich das gar nicht bemerkte – bis ich eines Tages zurückblickte und daran dachte, wie angsterfüllt ich mich normalerweise gefühlt hatte. Nach einer Weile war es mir wieder möglich, ohne Panikattacken rauszugehen. Da ich nicht mehr so angstbesetzt war, lächelte ich die Leute an, und sie lächelten zurück. Die Welt war nicht mehr so ein gruseliger Ort.

Meine neue Perspektive

Nachdem ich TM erlernt hatte, verließ ich die Wohnung wieder öfter und unternahm mehr. Es war unvermeidbar, dass die neuen Aktivitäten zu neuen Herausforderungen und zu neuem Stress führten. Und ich hatte wieder Angst.

Vor TM hätte mich das komplett zurückgeworfen. Ich hätte mich als Versager gefühlt. Ich hätte mich betrunken.

Jetzt aber war ich fähig, einen Schritt zurückzutreten und konnte mir sagen: »Ich muss an die Dinge anders herangehen.«

Zum allerersten Mal wurde ich von meinen Gefühlen nicht einfach davongetragen. Stattdessen war ich in der Lage, über meine Erfahrungen nachzudenken: Warum hatte ich diese Gefühle, warum erfuhr ich all das.

Jetzt konnte die eigentliche Arbeit beginnen.

Und egal, wie schwierig diese Arbeit auch war: vorher, als ich das Gefühl hatte, dass es nie ein Ende haben würde mit meinen Gefühlen, war alles viel schlimmer.

Mit TM habe ich die Perspektive, dass selbst dann, wenn’s schlecht läuft, es nicht anhalten wird. Irgendwann dreht es sich wieder. Im Gegensatz dazu waren vorher sogar Gefühle des Glücks kaum zu ertragen.

Jetzt bin ich in der Lage, die Aufs und Abs richtig einzuschätzen, sie zu erfahren und sie zu beobachten. Manchmal habe ich noch immer Angst, wenn ich aus dem Haus gehe. Aber jetzt gelingt es mir, die Angst zu fühlen und trotzdem zu gehen. Vorher war die Angst alles, jetzt hält sie sich nur noch im Hintergrund auf. Vorher war ich die Angst. Jetzt fühle ich, dass ich irgendetwas sehr viel Größeres bin. Ich definiere mich nicht länger über meine Reaktion auf den jeweiligen Augenblick.

Bessere Entscheidungen

Als ich erstmal in der Lage war, eine gewisse Ruhe zu empfinden, bekam ich auch die Klarheit, um bessere Entscheidungen treffen zu können. Und mit den besseren Entscheidungen fühlte ich mich auch besser. Früher dachte ich, der Alkohol mache alles besser, doch das dachte ich nur, weil die Dinge sich so schlecht anfühlten, dass ich die Betäubung brauchte. Jetzt brauche ich die Betäubung nicht mehr.

Es war nur eine erlernte Reaktion – nach irgendwas zu greifen, das mich vorübergehend besser fühlen ließ: die Drogen, der Alkohol, das Junk Food, mein Handy, Video-Spiele, das Internet. Einfach alles, was mir in die Finger kam. Jetzt habe ich die Freiheit, mir diese Reaktion abzugewöhnen.

Wenn ich heute im Supermarkt bin, verlangt’s mich nicht mehr nach Fettigem und Süßem, sondern nach Lebensmitteln, nach Sachen, die man leicht verdaut. Mehr und mehr komme ich ganz natürlich auf den Geschmack: gehaltvollere Nahrung. Jetzt, wo ich mich nicht mehr so ängstige, bin ich in der Lage, in den Park zu gehen und etwas Sport zu treiben. Ich gehe gern in den Park, für etwas Sport.

Es genügt …

Witzigerweise bin ich in gewisser Weise sogar froh, depressiv gewesen zu sein, so dass ich der Meditation eine Chance geben wollte. Ich erlernte TM aus Verzweiflung. Alles andere hatte ich schon ausprobiert. Wenn ich den Leuten erzähle, wie sehr Meditation mir geholfen hat, klingt es für die meisten zu einfach. Ich versuche, ihnen begreiflich zu machen, dass ich jahrelang um eine komplexere Lösung gerungen habe, sie aber nicht fand.

Vielen Leute um mich herum habe ich über TM erzählt, und meistens sagen sie: »Ach, das brauche ich nicht.«

Sie haben genügend Stimulanzien, um durch den Tag zu kommen. Genug Kaffee, genug Schokolade, und auch das Handy klingelt oft genug.

Wann ist »genug« genug?

Heute sind wir sehr oft überstimuliert – und unterernährt. Herz und Geist sind voneinander getrennt. Man redet uns ein, man müsse nur so sein wie die Leute im Fernsehen, wenn wir glücklich sein wollen: Zieh’ dich an wie sie, verhalte dich wie sie. Aber selbst sie sind nicht glücklich! Die Leute sind derart gehirngewaschen mit all dem »So wirst du glücklich«, dass sie gar nicht mehr hinhören, wenn es heißt, Veränderung beginnt innen [Change Begins Within, das Motto der David Lynch-Stiftung; d. Übers.].

Für mich war TM viel mehr als nur eine Befreiung von Stress. Sie hat mir geholfen, meinen Platz in der Welt zu finden. Vorher fühlte ich mich normalerweise verloren und allein, »ich gegen die Welt«, so etwa. Jetzt fühle ich, dass ich ein Teil der Welt bin. Mein alleiniger Zweck ist, einfach nur zu sein und zu versuchen zu verstehen, zu wachsen und zu lernen, wer ich bin und was die Welt ist, und mir nicht so große Sorgen zu machen, wenn mir das nicht gelingt. Das ist das hilfreichste Gefühl.

Ich habe so viele Stunden bei Psychiatern und Psychologen damit verbracht, ihnen zu sagen, dass glücklich zu sein mir nicht vergönnt ist. Dass ich einfach nur ein angstbesetzter, depressiver Mensch bin und wohl immer bleiben würde. Ich konnte mir nicht mal vorstellen, anders zu fühlen. All das Gerede da draußen war nicht in der Lage, mich umzustimmen. Ich musste es erst fühlen, um es zu glauben. Es war notwendig, das Verbunden-Sein, die Einheit der Welt zu erfahren, um zu verstehen: Glück zu finden ist nicht unmöglich. Man findet es innen.

Das ist es, was TM bei mir bewirkt hat.


* Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wird nur der Vorname genannt. Der volle Name ist der Redaktion von tmhome.com bekannt.


Mit freundlicher Genehmigung von tmhome.com.
Übersetzung: Jochen F. Uebel.


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Infografik: infografiken.com


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