Profitieren alle von Transzendentaler Meditation?

Von Dr. Norman Rosenthal

 

Norman E. RosenthalFast scheint es, als mache heute beinahe jeder Transzendentale Meditation. Das Spektrum derer, die von sich sagen, sie praktizierten TM und würden von ihr profitieren, ist erstaunlich. Da sind Berichte von Kriegsveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), von Obdachlosen, Drogen- und Alkoholabhängigen und natürlich von Menschen mit emotionalen und psychischen Problemen. 2011 erschien mein Buch »Transcendence«, ein New York Times-Bestseller: Dort habe ich zusammengetragen, warum all diese Menschen großen Nutzen aus Transzendentaler Meditation ziehen.

In letzter Zeit habe ich das Spektrum derer, die von dieser Praxis profitieren können, ausgeweitet und untersuchte nunmehr auch diejenigen, die von Haus aus eher privilegiert sind: Top-Manager, Schauspieler, Unternehmer. In der Tat liest sich die Liste inzwischen wie ein Who’s Who der Prominenz.

Cameron Diaz, Clint Eastwood, David Lynch, Ellen DeGeneres, Gisele Bündchen, Gwyneth Paltrow, Hugh Jackman, Jennifer Anniston, Katy Perry, Marius Müller-Westernhagen, Moby, Nicole Kidman, Oprah Winfrey, Paul McCartney, Peter LindberghProminente TM-Meditierende (von links nach rechts); 1. Zeile: Cameron Diaz, Clint Eastwood, David Lynch, Ellen Degeneres, Gisele Bündchen. 2. Zeile: Gwyneth Paltrow, Hugh Jackman, Jennifer Anniston, Katy Perry, Marius Müller-Westernhagen. 3. Zeile: Moby, Nicole Kidman, Oprah Winfrey, Paul McCartney, Peter Lindbergh

Sie mögen fragen, warum diese Menschen überhaupt TM benötigen. Machen Geld, Ruhm und Macht nicht zufrieden und glücklich?

Die Antwort ist recht einfach. Heute stöhnen die meisten Menschen über Stress – über täglichen Stress. Schon bezeichnet man Stress am Arbeitsplatz als die Schwarze Pest des 21. Jahrhunderts. Erfolgsgewohnte Menschen können – auf ihre Weise – genauso gestresst sein wie diejenigen, die sich mit den gewöhnlichen Problemen täglichen Lebens herumzuschlagen haben.

TM, so stellt sich dabei heraus, ist hier eine extrem effiziente Methode, Stress zu mildern. Das zeigen zahlreiche Studien, insbesondere solche, die in Zusammenhang mit Bluthochdruck und Angst durchgeführt worden sind.

Was ist eigentlich Transzendentale Meditation?

Doch was ist Transzendentale Meditation eigentlich? Ich beschreibe TM so: TM ist eine einfache, aber wirkungsvolle Technik, bei der man zwanzig Minuten entspannt dasitzt und ein spezielles Mantra denkt, einen Wortklang. Wie das geht, wird einem von einem qualifizierten Lehrer im Verlauf einer guten Woche gezeigt. Ursprünglich in Indien beheimatet, wurde diese Technik in den späten 1950er Jahren von Maharishi Mahesh Yogi in den Westen gebracht. Seither hat sie sich überraschend schnell verbreitet, weltweit.

Eine Ursache für diese bemerkenswerte Ausbreitung ist heute sicher die David Lynch Foundation (DLF), so benannt nach dem berühmten Filmemacher und Kultregisseur. Für ihn sei TM regelrecht eine Transformation seines Lebens gewesen. Die DLF bietet den TM-Unterricht allen Menschen an, egal, aus welchen Lebensumständen sie kommen – besonders aber denjenigen, die auf irgendeine Weise mit ernsthaften Problemen zu kämpfen haben: beispielsweise Opfer von Missbrauch und Gewalt.

Wieder in Topform

Der Wechsel der inneren Gefühlslage, der während dieser Meditationstechnik eintritt, wurde als »Transzendenz« bezeichnet: ein äußerst angenehmer Zustand, bei dem die Leute sich gleichermaßen ruhig und wach fühlen, ausgeruht und energetisiert. Wenn man eine Zeitlang meditiert und der Stress abnimmt (je nach Person dauert das paar Wochen oder Jahre), dann wird ein sehr spezielles Bewusstseinswachstum in Gang gesetzt: Der Zustand der Transzendenz breitet sich nach und nach auch im Alltag aus. Und das hat erstaunliche Wirkungen.

Im Einzelnen habe ich diese Entwicklungen in meinem letzten Buch »Super Mind« erörtert. Dieser Titel stand eine ganze Zeitlang auf Platz Eins der Bestseller-Liste der Washington Post. Dieser Tage erschien er nun auch als Taschenbuch.

In diesem Buch beschreibe ich sehr detailliert, wie die Menschen kreativer werden, wie sie zurückfinden zu ihrer Topform, in ihrer Sache wieder vollkommen aufgehen können (man spricht auch gern von »Flow«) und wie sie erfolgreicher werden (nicht nur in finanzieller Hinsicht) und einen Zustand größerer Zufriedenheit, ja sogar des Glücks entwickeln.

Und also mögen Sie jetzt noch einmal fragen: Wer würde eigentlich nicht von TM profitieren?

Gemeinhin wird diese Technik erst ab einem Alter von Zehn unterrichtet. Jüngere Kinder haben meist noch nicht die Geduld und das Geschick, während der Übung zu sitzen. Zweitens können ernsthafte mentale oder neurologische Störungen ein Hinderungsgrund für TM sein. Weshalb es ein kluger Rat ist, den Arzt zu Rate zu ziehen, bevor man TM oder eine andere Technik, die auf das Gehirn einwirkt, aufgreift. Und schließlich wird die Methode natürlich nur dann funktionieren können, wenn man bereit ist, sich dem einfachen Training zu unterziehen (fünf 90-minütige Unterrichtseinheiten, verteilt auf zehn Tage), und wenn man außerdem bereit ist, anschließend die Technik auch wirklich zu praktizieren.

Allen anderen empfehle ich – mit allem Respekt und bei aller Zurückhaltung – eventuell »Super Mind« zu lesen: Das könnte Ihre Meinung zum Thema ändern.

Redaktioneller Hinweis von Signature:
Norman E. Rosenthal, M.D., ist klinischer Professor für Psychiatrie an der School of Medicine der Georgetown University. Seine Arbeit wurde vielfach zitiert. Er ist Autor von über zweihundert Fachartikeln sowie populärer Bücher, darunter »Winter Blues« und »Emotional Revolution«. Sie finden mehr auf seiner Website.


Der Artikel erschien am 18. Mai 2017 in Signature unter dem Titel »Is Transcendental Meditation for Everyone?«


Hier geht’s zum Buch:
rosenthal-super-mindGebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: TarcherPerigee (17. Mai 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0399174745
ISBN-13: 978-0399174742
Format: 15,9 x 23,6 cm


➔ Mehr News …
➔ Hier kann man TM erlernen …