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TM und Achtsamkeit – wie unterscheiden sie sich?

Wie eine Achtsamkeits-Trainerin Transzendentale Meditation erlebt

Achtsamkeit und die Technik der Transzendentalen Meditation (TM) stammen aus jeweils unterschiedlichen Traditionen: jene aus der des Buddhismus, diese aus der Vedischen Tradition. Wichtiger aber ist: Sie verfolgen unterschiedliche Ziele.

Achtsamkeit: Zwar gibt es viele Variationen von Achtsamkeit. Das verbindende Ziel aber ist, den Geist darin zu üben, im »Hier und Jetzt« zu bleiben, im jeweiligen Moment. Man wendet sich Gedanken und Eindrücken bewusst zu, ohne sie zu bewerten.

Transzendentale Meditation: Hier gibt es nur eine Version. Diese Technik dient dazu, die Aufmerksamkeit vom Denken weg nach innen zu lenken. Irgendein Hauptaugenmerk oder Konzentration spielen dabei keine Rolle.

Dr. Donna Rockwell, klinische Psychologin und Achtsamkeits-Trainerin aus Pontiac, Michigan, USA, hatte kürzlich die TM-Technik erlernt. Sie sprach mit Bob Roth, dem Autor von Strength in Stillness (das im September 2018 im Kamphausen-Verlag auf Deutsch erscheint). Ihre erste Erfahrung mit Achtsamkeit beschreibt sie so:

»Mein erster Kontakt mit Achtsamkeit kam über einen Lehrer, der sich eingehend mit der Shambala-Meditation befasst hatte. Er instruierte mich in meditativer Aufmerksamkeit, und ich war gehalten, mit ihm zusammen fünf Minuten zu sitzen. Nach dreißig Sekunden war mir, als platze mir der Kopf. Nein, das konnte ich nicht. Nicht um alles in der Welt. Ich sah, dass ich viel zu sehr der Alpha-Typ bin. Dass in mir keinerlei Ruhe war, verstörte mich so sehr, dass ich mich fortan ganz der Praxis der Meditation widmete. (…)

Man sagt, der Geist sei wie ein wildes Pferd, das in einem viel zu engen Gehege andauernd bockt. Das Ziel von Achtsamkeit ist, die Koppel zu vergrößern und eine weite, offene Weide zu schaffen, in der man den Geist darin trainiert, immer wieder zurückzukommen zum jeweiligen Moment. (…)

Nach zwanzig Jahren der Achtsamkeits-Praxis gelingt es mir nun mehr, im Hier und Jetzt zu sein: Dank all meiner Stunden und Stunden und Wochenenden und Tage, in denen ich nur dasaß und auf einen Fleck auf dem Fußboden geschaut hatte. Es gelingt mir jetzt mehr, den präfrontalen Kortex meines Gehirns zu aktivieren und mir bewusst zu sein, wenn ich in eine Amygdala-Situation hineinrutsche.«

Mit »Amygdala-Situation« meint sie: Während der präfrontale Cortex (dt.: vorderer Stirnlappen) u.a. der Vernunftsteuerung dient, befasst sich die im Inneren des Gehirns gelegene Amygdala (dt.: Mandelkernkomplex) mit der »emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren« (Wikipedia).

Eine der häufigsten Aussagen neuer TM-Meditierender ist, wie leicht Transzendentale Meditation ist. Donna Rockwell drückt das ähnlich aus, wenn sie die Achtsamkeits-Praxis eher mit einem »Feldlager« vergleicht, während sie die TM-Technik als »eine vollständig andere Sache« bezeichnet.

»Während meiner Meinung nach Achtsamkeit ›Geistestraining‹ ist, ist TM eher so, als wenn man seinen Geist in ein Heilbad schickt. Vom allerersten Mal an fühlte es sich so an, als lege sich mein Gehirn in ein wunderbar warmes Bad. Mein Gehirn beruhigt sich und findet zurück in einen Zustand der Homöostase, des Gleichgewichts. Und dann, nach zwanzig Minuten, kehre ich in mein Leben zurück: erfüllt mit mehr Frieden und Wohlsein.«

Außerdem fiel Donna Rockwell auf, wie sehr sich Achtsamkeits-Retreats von der TM-Praxis unterscheiden:

»Wenn man zu einem Achtsamkeits-Retreat geht, sitzt man vierzig Minuten da; dann geht man etwa zehn Minuten spazieren. Dann wieder vierzig Minuten sitzen und wieder zehn Minuten gehen. Wieder vierzig Minuten sitzen, wieder aufstehen. Und während all dessen das Wahrnehmen der umherwandernden Gedanken, und immer wieder zurückkehren zum momentanen Augenblick. Wie ich sagte: Feldlager.«

Im Gegensatz dazu TM:

»TM sagt, ›Du hast jetzt all die Jahre so hart daran gearbeitet, ein erleuchteterer Mensch zu sein. Und hier ist jetzt eine Meditationspraxis, bei der Du einfach nur zwanzig Minuten lang sitzen brauchst und dadurch ganz natürlich erfrischt herauskommst, einfach, weil Du Deinem Geist erlaubt hast, zur Ruhe zu kommen.‹ Natürlich, man denkt sein Mantra. Aber man muss sich dabei nicht anstrengen. Dein Geist geht dorthin, wo er hingehen will: zu etwas Befriedigenderem. Und dann, nach den zwanzig Minuten dieses geistigen Heilbads, kehre ich in meinen Alltag zurück, bin revitalisiert und bereit für das, was auf mich wartet.«

Die Technik: Transzendentale Meditation ist eine einfache, natürliche, mühelose Technik, die man zweimal am Tag für 20 Minuten bequem sitzend (also gern mit Lehne) und bei geschlossenen Augen praktiziert. Sie ist leicht zu erlernen und in der Ausübung angenehm. Sie ist weder Religion, Philosophie noch Lebensstil. Über sechs Millionen Menschen lernten sie schon – Menschen allen Alters, aus jedweder Kultur und mit unterschiedlichstem religiösen Hintergrund. Über 380Forschungsstudien wurden in führenden Fachjournalen gutachtergeprüft veröffentlicht. Es zeigte sich: Stress, Angst, Müdigkeit nehmen deutlich ab, und Geist und Körper finden zu einem ausgeglicheneren Zustand.

Siehe auch:

Der Unterschied zwischen Achtsamkeit und Transzendentaler Meditation – in weniger als zwei Minuten erklärt

Dieses kurze Video zeigt einen der Diskussionsbeiträge von Dr. Norman Rosenthal, Georgetown University, Washington D.C., USA, während des New York Town Hall Forum im Februar 2014 zum Thema »Meditation: Kreativität, Leistung und Stress«. Die Moderation führte Andres Ross Sorkin vom Fernsehsender CNBC.

Dr. Rosenthal ist Psychiater und Autor mehrerer Bücher. Seine Entdeckung des »Winter-Blues« (Seasonal Affective Disorder, SAD) hat zahllosen Menschen geholfen.

Die Veranstaltung wurde von der David Lynch Foundation gesponsert. Die Stiftung arbeitet gemeinnützig und sponsert benachteiligten Menschen die TM-Technik. Wie sie arbeitet, erfahren Sie hier: www.DavidLynchFoundation.org



Zitate aus Strength in Stillness: The Power of Transcendental Meditation von Bob Roth. © 2018 David Lynch Foundation for Consciousness-Based Education and World Peace; Verlag: Simon & Schuster. Alle Rechte vorbehalten.
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Jochen Uebel
Fotos: Zulmaury Saavedra; Alex Bertha

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