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Transzendentale Meditation und Trauma: Wirksamer als Standardtherapie

Psychische und psychosomatische Störungen sind weit verbreitet: Angst, Depression, Schlaflosigkeit, Aufmerksamkeitsdefizite, Energiemangel, Selbstzweifel. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) hingegen sind eher selten, dafür aber umso hartnäckiger. Und sie sind für den Patienten fatal, verhindern sie doch in den meisten Fällen eine Teilnahme am Leben. Und zwar für lange Zeit.

Eine neue Studie, veröffentlicht im Lancet, eines der renommiertesten Fachjournale der Psychologie, zeigt jetzt: Transzendentale Meditation (TM) steht bisher bekannten Therapieverfahren in nichts nach.

Dieser Befund ist nicht neu. Pilotstudien hatten schon in diese Richtung gezeigt.

Nun aber erschien in einer der ältesten und angesehensten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, im The Lancet Psychiatry (November, 2018) eine neue Studie, die den Charakter einer Pilotstudie verließ und als Meilenstein der psychotherapeutischen PTBS-Forschung gewertet werden kann.

Transzendentale Meditation wirkt

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Transzendentale Meditation (TM) ist bei Veteranen mit PTBS wirksam.
  • TM ist genauso wirksam wie ein »Goldstandard« bei der Behandlung von Veteranen mit PTBS-Symptomen: die sog. Prolonged Exposure-Therapie.
  • TM ist eine tragfähige, wichtige Option für Veteranen, vor allem, wenn sie die Standard Exposure-Verfahren vermeiden möchten oder darauf nicht ansprechen.

Das Ergebnis der neuen Studie: Patienten, die den sanften Weg der TM wählen, erholen sich von ihrem Trauma deutlich schneller und umfassender als diejenigen, die sich mit ihrer Problematik wieder und wieder konfrontieren lassen (PLE).

Die Grafik oben zeigt die Wirksamkeit (Effektgröße) der verglichenen Verfahren bei PTBS: bei Befragung, Selbstauskunft und Depression. Die Grafik unten zeigt, bei wie vielen Probanden die jeweiligen Verfahren klinisch relevante Verbesserungen zeigten.

Die beiden Verfahren

Bei der Prolonged Exposure Therapie (PLE) versetzt sich der Patient »in der Therapiestunde imaginativ in die traumatische Situation zurück und durchlebt das Trauma mit allen dazugehörenden unangenehmen Gefühlen noch einmal. Die Therapiesitzung wird auf Tonband aufgenommen, und die Patienten erhalten die Aufgabe, sich diese Aufzeichnung zu Hause täglich anzuhören. Bei wiederholter Anwendung dieser Technik klingen die anfänglich heftigen emotionalen Reaktionen ab und die PTBS-Symptome treten in den Hintergrund«.

Bei Transzendentaler Meditation hingegen wendet der Patient seine Aufmerksamkeit nach innen, hin zur Erfahrung tiefer, angenehmer Stille und äußerst wohltuender Entspannung. Der Körper folgt mit, erfährt tiefe Ruhe – und auf diese Weise wird vollkommen unspezifisch, ohne dass man sein Problem in den Fokus nehmen muss, Stress, tiefverwurzelter Stress, ganz automatisch gelöst.

Die Versuchspersonen

Unterzogen hatten sich dieser Untersuchung 203 Veteranen am VA San Diego Healthcare System. Verglichen wurde TM mit PLE (Prolonged Exposure Therapie), und beides wiederum mit Achtsamkeitsverfahren und Gesundheitsunterricht. Dauer der randomisiert-kontrollierten Studie: drei Monate.

Während Gesundheitsunterricht nur marginal zur Verbesserung der Situation beitrug, übertraf die Wirkung der Transzendentalen Meditation die des Prolonged Exposure um 20 und 25 Prozent.

Und nicht nur das: Schlug die PLE-Therapie bei nur 42 Versuchspersonen an, waren Transzendentale Meditation bei 61 Prozent erfolgreich. Erfolgreich heißt: Die Verbesserungen sind klinisch relevant; der Patient verbessert sich um mindestens 10 Punkte auf einer standardisierten Bewertungsskala (Clinician-Administered PTSD Scale, »CAPS«).

Beeindruckende Zeugnisse der Studienteilnehmer

Einem 33-jährigen Veteranen der US-Marines wurde nach mehreren Einsätzen in Irak und Afghanistan Depression und PTBS attestiert. Sein Kommentar:

»Mein Problem war regelmäßiger Schlaf. Ich kam nicht ins Bett und schlief nicht durch. Ich zermarterte mein Gehirn mit Gedanken der Reue, war voller Unsicherheit. Manchmal dachte ich schon, es sei besser, gar nicht mehr zu leben; dann müsste ich mich damit nicht länger auseinandersetzen.«

Dann erlernte er Transzendentale Meditation, und nach sehr kurzer Zeit konnte er nachts wieder schlafen.

»Jetzt ist es nicht mehr so trübsinnig in mir. TM half mir dabei, mich weniger gestresst zu fühlen, und ich habe mehr Energie. Die regelmäßige TM-Praxis half mir, mich in den Griff zu bekommen, und ich fand wieder Freude am Leben.«

Bei einer 32 Jahre alten Veteranin der US-Flotte wurde ein Sexualtrauma diagnostiziert, das sich zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung ausgewachsen hatte.

»Ich begann zu trinken. Das Gefühl der Einsamkeit, das aus meiner Isolation entstand, wollte ich betäuben. Ich wagte mich nicht mehr aus dem Haus, fuhr nicht mehr weg; ich vermied alles, was mich dazu gezwungen hätte, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.«

Schon nach wenigen Tagen des Meditierens fühlte sie sich deutlich »ruhiger«, und im Verlauf der folgenden Wochen stellte sie fest:

»Ich fasste wieder Zuversicht und gesundete. Ich fing wieder an, Auto zu fahren und schrieb mich in der Volkshochschule ein. Das TM-Programm schenkte mir buchstäblich das Leben zurück.«

Vielversprechende Alternative

Studienleiter Sanford Nidich, EdD, Direktor des Center for Social-Emotional Health am Maharishi University of Management Research Institute, beschreibt die Konsequenzen dieser Studie so:

»Die Untersuchung liefert den Beweis, dass zur Reduzierung von PTBS-Symptomen bei Veteranen die Technik der Transzendentalen Meditation – ein therapeutisches Programm, das sich nicht auf das Trauma konzentriert – eine trag- und zukunftsfähige Option darstellt. Von solch einer zusätzlichen, evidenzbasierten PTBS-Therapie profitiert der Patient gleich zweimal: erstens, weil ihm nun eine größere Bandbreite erstklassiger Optionen zur Verfügung steht, und zweitens, weil ihm nun eine alternative Behandlungsstrategie angeboten werden kann für den Fall, dass die PLE-Therapie nicht anschlägt.«

Und in einem redaktionellen Kommentar zur Studie schreibt Vernon Barnes, PhD, Augusta University, in der gleichen Ausgabe des Lancet:

»Die vorliegende Studie von Nidich et al. bringt die Forschung über Transzendentale Meditation als Mittel zur Verringerung von PTBS bei Veteranen voran. […] Die Ergebnisse lassen vermuten, dass TM zu jener kleinen Zahl von Verfahren gehört, die sich sofort nutzbringend umsetzen lassen: zwecks einer verbesserten Versorgung durch die Militärmedizin und, wenn sie breiter angewandt wird, zugunsten einer signifikanten Verbesserung von Gesundheit. […] Und sie passt hervorragend zur militärischen Kultur: Die TM-Technik arbeitet selbststeuernd, wirkt selbstheilend, ist vollständig transportabel und benötigt keinen großen Aufwand, ist [in ihrem Ablauf] letztlich unauffällig.«

US-Verteidigungsministerium übernahm die Kosten

Finanziert wurde die Studie mit 2,4 Mio. US-Dollar über die medizinische Forschungsabteilung des US-Verteidigungsministeriums.

Das VA San Diego Healthcare System, die University of California San Diego School of Medicine, die Georgetown University Medical School und die Maharishi University of Management Research Institute assistierten bei der Durchführung der Studie.

Erschienen ist die gutachtergeprüfte Studie (»peer-review«) unter dem Titel »Non-trauma-focused meditation compared to exposure therapy in veterans with PTSD: a randomized controlled trial« (DOI: 10.1016/S2215-0366(18)30384-5).

Großes Medienecho

Die Studie sorgte für beachtliche Aufmerksamkeit – in der Fachwelt wie in der medizinwissenschaftlichen Publizistik: So griffen das Thema auf: Associated Press, Agence France Press, Reuters, Medscape, Medi-Bulletin, Psychiatry Advisor, The London Economic, SBS Australia, Healio Psychiatric Annals und Medical Research.



Text: Jochen Uebel. Bilder: © Fotolia, Nidich, MUM.


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