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Transzendentale Meditation – ein Mittel gegen Stress an Schulen

quiet-time-172-193Wenn Schüler zum Unterrichtsbeginn es erst einmal nur genießen, still und ganz bei sich zu sein, ist das bemerkenswert genug. Wenn eine Schule all ihren Schülern diese Entspannungsphase täglich zweimal zugesteht, zu Beginn und am Ende der Unterrichtszeit, merkt man auf. Geschieht dies aber in drei Schulen gleichzeitig, und das auch noch in Schulen, in denen sich der Stress auf besonders hohem Niveau bewegt, dann wird man hellhörig: Was ist da los? Und welche Folgen hat diese Maßnahme?

Die Chicago Tribune ging dieser Frage am 2. Januar nach – und kam zu erstaunlichen Ergebnissen. 

Zu sich selbst finden

Erstens: Bei den Schülern kommt das Programm hervorragend an – weil die meisten dabei erstmals die Erfahrung machen, zu sich selbst zu finden. Sie können »herunterfahren« und merken, dass sie mit ihrem eigenen Stress und dem Druck auf der Straße plötzlich sehr viel besser umgehen können.

gage_park_high_school_chicagoZweitens: Das – im übrigen freiwillige – Programm an den Sekundarschulen Gage Park (Bild), Daniel Hale Williams und Bowen wird wissenschaftlich vom kriminologischen Institut der Universität Chicago begleitet: So stammen allein an der Gage 98,3 Prozent der Schüler aus Familien mit geringem Einkommen – und tragen ein entsprechend hohes Stress- und Kriminalitätspotential mit sich herum. Der Englischlehrer Jose Morales: »Zuhause kämpfen sie buchstäblich ums Überleben. Zu dieser Gewalt brauchen sie eine Alternative.«

Ausschreibung: »Stille Zeit« machte das Rennen

Drittens: Zuvor hatte die Universität öffentlich um Vorschläge gebeten, wie der grassierenden Jugendkriminalität auf Chicagos Straßen begegnet werden könnte. 200 Ideen waren eingereicht worden. Drei machten das Rennen – und die zweimal tägliche Entspannungsphase, deren Kern das Programm der Transzendentalen Meditation ist, war eine davon, gefördert mit 300.000 US-Dollar. Um den Effekt messen zu können, wurde zu Beginn des Schuljahres per Zufallsauswahl bestimmt, wer teilnimmt und wer nicht: Die, die nicht teilnehmen, dienen als Kontrollgruppe.

Viertens: Chicago ist kein Einzelfall mehr. Vergleichbare Projekte hat man inzwischen in San Francisco, Los Angeles und New York eingerichtet – jedes Mal auf der Grundlage von Transzendentaler Meditation.

Substantiell positive Effekte, überschaubare Kosten

Diese Vorläuferprojekte hatten der Universität Chicago gezeigt, »dass mit substantiell positiven Effekten zu rechnen ist, dass die Kosten überschaubar bleiben und wissenschaftliche Begleitung leicht zu bewerkstelligen ist«, wie Insitutsleiterin Roseanna Ander sagt.

Der 17-jährige James scheint ein typisches Beispiel zu sein: »Es hilft einem, herunterzukommen, und du kannst dich besser konzentrieren.« Vorher sei er jähzornig gewesen, streitbar und angriffslustig. Jetzt sei er ruhiger und denke erst mal nach, wie er reagieren soll, wenn jemand ihn herausfordert oder er unter Druck gerät. »Ich spüre, dass das einem nicht nur in und außerhalb der Schule, sondern im Leben insgesamt hilft.«

An der Gage Park setzte man noch eines oben drauf: Hier profitiert die gesamte Schule zweimal am Tag von dieser Entspannungsphase, und die Hälfte der Schüler nutzt dabei Transzendentale Meditation. Alle anderen sind auf ihre weise »still«: lesen, dösen, hören Musik.

»Nicht noch mehr in die Köpfe hineinpressen«

Das Meditationsprogramm wird an allen drei Schulen von zertifizierten Lehrkräften unterrichtet, die der David Lynch-Stiftung angehören, in standardisiertem Setting: Die Schüler lernen ein einfaches Mantra, ein gedanklich zu benutztendes einfaches Wort ohne Bedeutung, mit dessen Hilfe sie ihrem Kopfkino erlauben können, zur Ruhe zu kommen. Auf Hintergrundmusik oder begleitende Instruktionen während der Meditation wird ebenso verzichtet wie auf religiöse oder philosophische Komponenten.

bob-roth-02»Ruhevolle Wachheit« sei es, was Transzendentale Meditation bewirke, sagt Bob Roth, Geschäftsführer der Stiftung. »Man kann nicht einfach nur immer mehr Inhalte in die Köpfe hineinpressen. ›Auf die Ruhe kommt es an‹, sagen wir den Kids. Und die Technik hierzu, die wir den Kindern anbieten, ist sehr einfach.«

Während die Universität die Veränderungen im Klassenzimmer analysiert (Noten, Prüfungsergebnisse, Anwesenheit, Disziplin, Schulausschluss, Täter-Opfer-Statistiken), steuert das Chicagoer Polizeipräsidium relevante Daten aus der Kriminalitätsstatistik bei. Gage Park-Direktor Brian Metcalf bestätigt schon jetzt eindeutige Verbesserungen: verringerte Fehlzeiten, bessere Leistungen, Rückgang von Verhaltensauffälligkeiten, verbessertes Konzentrationsvermögen.

»Früher war ich richtig streitsüchtig, ein Hitzkopf, aber das hier macht einen richtig ruhig, und man kommt vom Stress weg«, sagt Rakiha, Zehntklässlerin.

Auch Lehrer nehmen teil

Biologielehrerin Shameka Jones, 36, selbst von Depression und Ängsten geplagt, empfindet das Programm als willkommene Ergänzung zu ihrem Schulalltag: »Gleich beim ersten Mal fühlte ich mich wunderbar entspannt. Und gleichzeitig hätte ich Bäume ausreißen können. Anspannung und Stress fielen von mir ab. Ich fühle mich jetzt gut, und ich kann sehr viel besser mit Hindernissen umgehen.«


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